„Menschen beizustehen und ihnen zu helfen“
Aus diesem Anlass kamen mit Bernd Lattig, dem Begrün-der der regionalen Caritasarbeit, und Mona-Luisa Groß von youngcaritas Cottbus zwei Generationen ins Gespräch. Ihre Erfahrungen zeigen, wie sich die gesellschaftlichen Herausforderungen verändert haben und wie beständig zugleich der Auftrag der Caritas geblieben ist.
Als Bernd Lattig 1966 seinen Dienst in Cottbus begann, stand die Caritasarbeit in der Region noch ganz am Anfang. Seine Motivation wurzelte sowohl im Elternhaus als auch in seiner Ausbildung. Über seinen Vater sagt er rück-blickend: "Er war also unermüdlich dabei, Menschen zu helfen, sie zu besuchen und irgendwie so eine karitative Nächstenliebe auch mir beizubringen."
Der damals 22-Jährige übernahm den Aufbau der Caritasarbeit im Dekanat Cottbus. Seine ersten Schritte führten ihn in die Gemeinden der Region. Dort suchte er den Kontakt zu Pfarrern und Gemeindemitgliedern, um herauszu-finden, wo Hilfe benötigt wurde. "Ich habe ja eigentlich bei null angefangen", erinnert sich Lattig. Hausbesuche bei älteren Menschen, Menschen mit Behinderungen und Familien in schwierigen Lebenslagen prägten die ersten Jahre seiner Tätigkeit.
Die Arbeit erfolgte unter den besonderen Bedingungen der DDR. "Mit Kirche hatte der Staat nichts im Sinn und mit Caritas konnte er genauso wenig anfangen", beschreibt Lattig die damalige Situation. Dennoch gelang es, Hilfen für ältere Menschen zu organisieren, Freizeitangebote für Menschen mit Behinderungen aufzubauen und Familien in schwierigen Situationen zu unterstützen.
Heute stehen andere Themen im Mittelpunkt. Mona-Luisa Groß kam nach ihrem Studium zur Caritas und baute das Projekt Youngcaritas in Cottbus auf. Auf die Frage, was die Caritas für sie ausmacht, nennt sie drei Begriffe: "Möglichkeiten schaffen", "Kreativität" und "Gemeinschaft". Gerade diese Aspekte prägen ihre tägliche Arbeit mit jungen Menschen.
Groß beobachtet, dass viele Jugendliche und junge Erwachsene mit Unsicherheiten und Zukunftsängsten zu kämpfen haben. Deshalb gehe es heute darum, jungen Menschen neue Perspektiven zu eröffnen und sie zur Mitgestaltung zu ermutigen. "Wir wollen positive Gemeinschaftserfahrungen ermöglichen und junge Menschen darin bestärken, dass ihr Handeln etwas bewirken kann", sagt sie. Entscheidend sei dabei die Erfahrung von Selbstwirksamkeit: "Wenn ich aktiv werde, dann bewegt sich etwas."
Trotz aller Veränderungen erkennen beide Gesprächspartner eine gemeinsame Linie über sechs Jahrzehnte hinweg. Für Groß besteht die Aufgabe der Caritas darin, auf aktuelle Herausforderungen zu reagieren: "Wir versuchen immer zu schauen: Was sind die aktuellen Themen und Probleme, wo Menschen Unterstützung benötigen?" Anschließend gelte es, kreative und passgenaue Unterstützungsangebote zu entwickeln.
Für Bernd Lattig liegt das Besondere der Caritas vor allem in ihrer christlichen Grundlage. "Die christliche Motivation, also Nächstenliebe, die ist schon auch eine Motivation gewesen", sagt er. Gleichzeitig verstehe er die Caritas als Brücke zwischen Kirche und Gesellschaft. Die Caritas habe die Aufgabe, den Menschen nahe zu sein und das christliche Menschenbild konkret erfahrbar zu machen.
Mit Blick auf die Zukunft zeigen sich beide optimistisch. Lattig spricht von einer "Erfolgsstory", wenn er auf die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte blickt. Besonders stolz macht ihn, "das, was sich aus dem, mit dem ich mal begonnen habe, mittlerweile entwickelt hat und was sich mit Sicherheit weiterentwickeln wird".
Auch Mona-Luisa Groß sieht große Chancen für die kommenden Jahre. Sie wünscht sich "eine große Gemeinschaft, die zusammenhält und die Werte, die uns wichtig sind, in die Gesellschaft trägt". Die Caritas solle auch künftig ein Ort bleiben, "der willkommen heißt und Unterstützung ermöglicht".

Zum Jubiläum formulieren beide ihre Wünsche für die Zukunft. Während Lattig auf Zusammenhalt, Wertschätzung und Freude an der Arbeit setzt, wünscht sich Groß vor allem Mut und Offenheit. "Keine Angst vor Innovation und Veränderung", lautet ihr Appell. Zugleich hofft sie auf "möglichst viele junge Menschen, die Lust haben, bei der Caritas zu arbeiten und die Veränderung mitzugestalten".
Nach 60 Jahren zeigt die Geschichte der Caritas in Südbrandenburg eindrucksvoll, dass sich gesellschaftliche Herausforderungen zwar verändern, aber eines gleich bleibt:
der Einsatz für Menschen, die Unterstützung, Gemeinschaft und Hoffnung suchen -
Ein fester Anker in bewegten Zeiten.
Das Gespräch führte Regionalleiter Markus Adam
und bedankt sich bei den beiden Experten.
